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Kategorie: Computer
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Ich habe gerade auf TechStage die Analyse "Warum das Kindle Fire das iPad unter den Android-Tablets ist" von Fabien Röhlinger gelesen. Dabei habe ich bemerkt dass Google bezüglich des Kontent-Angebotes und der Vermarktung bzw. des Vertriebs noch einiges ändern muss um auf dem Tablet Markt nicht zwischen Apple und Amazon "zerrieben" zu werden sondern mit ihnen mithalten zu können.

Apple hat ein Ökosystem aus Medien wie Musik, Filme, Bücher, Zeitschriften und Tablet optimierten Anwendungen sowie Hardware. Auch bei Amazon gibt es ein breites Medienangebot auf das man direkt nach Inbetriebnahme des Kindle Fire zugreifen kann. Dazu gibt es dann als Ergänzung noch günstige eBook Reader mit ePaper zum angenehmen lesen und das Wichtigste ist man kann alles problemlos kaufen bzw. vor-allem bezahlen. Bei Google hingegen ist zwar mittlerweile ein umfangreiches Angebot an Apps vorhanden, aber viele davon sind noch nicht komplett auf Tablets optimiert und bei Medien ist die Versorgung von Haus aus nicht ganz so umfangreich. Außerdem sind die Bezahlmethoden im Google Play Store hierzulande noch recht überschaubar und beschränken sich bei den meisten Tablets ausschließlich auf eine Kreditkarte, nur bei wenigen UMTS Tablets kann man, wenn man beim richtigen Provider ist, per Mobilfunkrechnung bezahlen.

Zwar gibt es das komplette Amazon Angebot an Apps, Bücher und Musik inklusive der umfangreichen Bezahlmethoden über nachinstallierte Apps auch für Android, aber erstens will Google ja auch an Medien und Apps verdienen und zweitens wollen die meisten Kunden eine zentrale Anlaufstelle für Medien und Apps haben (auch wenn das für den Kunden durch geringere Konkurrenz und einer gewissen Abhängigkeit von einem Anbieter eher ein Nachteil ist) so das sich nur eine geringere Zahl zusätzliche Apps dafür installieren werden. Deshalb muss Google hier nachbessern und zuerst einmal das Angebot an Bezahlmöglichkeiten ausbauen, Gutscheinkarten währen hier einmal ein guter Anfang und Bankeinzug ein weiterer sinnvoller Schritt. Im zweiten Schritt müsste Google sich bemühen das eigene Medienangebot auszubauen um mehr Musik, Filme und Bücher sowie Zeitschriften im PlayStore anbieten zu können. Dabei wäre es meiner Meinung nach durchaus hilfreich für Google dazu einen Partner ins Geschäft zu holen der dabei schon etwas Erfahrung und Kontakte zu Kontent Produzenten hat - eventuell käme hier Sony in frage da diese auch auf dem Android Markt aktiv sind gibt es hier ja sowieso bereits Kooperationen. Außerdem lesen Vielleser Bücher, wenn sie sie nicht sowieso nur auf Papier lesen, eher auf einem eBook Reader mit eInk Display als auf einem Tabet mit LCD Display und hier bietet Amazon den Kunden derzeit (trotz Kopierschutz und von anderen eBook Anbietern abgeschottetem Angebot) das bequemste Kauferlebnis, so muss sich der Kunde kaum Gedanken über DRM machen sondern kann Bücher einfach direckt auf dem Gerät kaufen und kann diese dann sowohl auf dem eBook Reader als auch auf den eigen Tablets sowie per App auch auf Android Smartphones bzw. Tablets lesen. Wenn Google also ernsthaft daran interessiert ist eBooks im großen Stiel zu verkaufen wäre es recht hilfreich wenn sie eine Plattform für andere eBook Reader schaffen würden die ein ähnliches Leseerlebnis ermöglichen. Dabei fände ich sowohl ein Google eigener "Nexus" Reader wie auch die Kooperation mit anderen eBook Reader Herstellern denkbar, auch hier fällt mir zuerst Sony ein die mit dem "PRS-T2" bereits einen recht guten eBook Reader im Angebot haben der sogar auf einem Android System bassiert.

Ein weiterer Grund warum sich viele Kunden für ein iPad oder auch ein Kindle Fire entscheiden ist die Präsens, beim iPad ist es die Präsens in Medien, in ihrem Umfeld und bei so gut wie allen Elektronikhändlern. Beim Kindle Fire ist es die Präsens bei Amazon, dem für viele Kunden wichtigsten Onlineshop in dem man alles mögliche recht einfach und unkompliziert kaufen kann. So versucht Amazon die eigene Tablets und eBook Reader jedem Kunden, egal was er dort kauft, zumindest ab und zu wieder ins Blickfeld zu Rücken und präsentiert sie schön auf der Startseite.

Google hingegen bietet seine Nexus Reihe vor-allem im eigenen Onlinestore an, in dem es nur die Möglichkeit gibt per Kreditkarte zu bezahlen und es (auch bei diversen Nexus 7 Varianten) ab und zu einmal zu Liefereinpässen kommt. Mit dem 16GB Nexus 7 versucht Google so zwar dem 16GB Kindle Fire HD vom Preis her Konkurrenz zu machen, aber im Google Play Store, wo man normalerweise vor-allem Apps und Medien kauft und nur per Kreditkarte bezahlen kann, entgehen Google die Kunden die mal schnell ein günstiges Tablet bei Amazon mitbestellen oder im Laden mitnehmen. Und da Google für die Nexus Geräte kaum Werbung schaltet kennen viele Kunden die, doch verhältnismäßig guten, Nexus Geräte nicht obwohl sie auch (zumindest zum teil) bei MediaMarkt und Saturn erhältlich sind. Meine Empfehlung ist hier daher, dass Google in den Onlinehandel mehr investieren, oder sich einen kompetenten Partner suchen, sowie für den Online wie auch Offline Vertrieb mehr Werbung schalten sollte. Letzteres würde jedoch eventuell das Verhältnis zu Partnern wie Samsung beeinträchtigen, auch wenn es sicher dazu beitragen dürfte das Android-Ökosystem zu stärken.


ps. Ein weiterer, ehre nicht idealer, Grund für den Kauf eines Kindle Fire dürfte sein, dass einige eBook Käufer, aufgrund den namens "Kindle", denken ein Kindle Fire sein ein besserer eBook Reader mit Farbdisplay dazu auch noch Tabletfunktionen erfüllt (was natürlich nicht zutrifft, ein Kindle Fire ist ein Tablet, wer Surfen, Spielen und Musik-höheren sowie Filme Schauen will soll sich meiner Meinung nach ein Tablet kaufen, wer viel Lesen will ein eInk Reader und wer beides will sollte auch beide Geräte anschaffen) und kaufen sich dann diesen "Luxus eBook Reader".